Eine Studienreise nach Dornoch
Zwei Wochen in den schottischen Highlands
Ein Reisebericht von Mona Lüönd und Vera Betschart
Schule und Unterricht – Vera Betschart
Natürlich gehört neben dem Entdecken und Reisen auch der Unterricht an der Schule dazu. Nachdem wir in der Nacht zuvor gegen 1 Uhr im Bett waren – aufgrund unseres späten Fluges –, ging es für uns am nächsten Tag früh los. Neaves Mutter, Irene, hat uns aus den Eiern ihrer eigenen Hühner ein super Rührei gezaubert. Gestärkt ging es dann mit dem Schulbus entlang eines Seitenarms des Meeres zur etwa 25 Minuten entfernten Dornach Academy.
Der Unterricht startete – nach einer 10-minütigen Organisationslektion – um 8.40 Uhr. Neave hatte uns bereits gemeinsam mit ihrem Deutschlehrer, Herr Bolt, einen Stundenplan zusammengestellt. Da Herr Bolt selbst einige Jahre in der Schweiz gelebt hatte, war er sichtlich begeistert, sich wieder einmal mit Schweizer Landsleuten austauschen zu können.
In Neaves Jahrgang gab es keine festen Klassen mehr. Sie selbst hatte nicht mehr so viel Unterricht, da sie in ihrem Abschlussjahr war und neben der Schule mehrere Tage pro Woche in einem süssen Café arbeitete, welches wir später auch besucht haben.
Nach den Schuljahren ziehen viele Lernende weg, um in entfernten schottischen Städten zu studieren, während andere bleiben, um etwas Ähnliches wie eine Lehre zu beginnen. Für mich war das sehr spannend zu erfahren, da ich mir nicht vorstellen könnte, bereits mit 17 oder 18 Jahren die Familie zu verlassen. In Schottland ist das jedoch ganz normal.
Der Stundenplan war allumfassend gestaltet, mit ein wenig auffallend «vielen» Deutsch-Lektionen;). Neben Deutsch besuchten wir verschiedene Kurse wie Chemie, Musik, Französisch, Geschichte, Geografie, Biologie und Kunst.
Da die älteren Lernenden ihre Fächer zum grössten Teil selbst wählen durften, trafen wir auf viele Leute, welche alle sehr offen waren und uns gut aufgenommen haben. Im Übrigen habe ich auf unserer ganzen Reise keinen einzigen Schotten getroffen, welcher nicht freundlich und nett war und das fand ich sehr sympathisch.
In der Mittagspause, um 13.20 Uhr, haben wir jeweils gemeinsam in einem Klassenzimmer zu Mittag gegessen. Die meisten haben – trotz Schulküche – etwas Eigenes mitgenommen, wie auch wir.
Was mir besonders aufgefallen ist: In unserer Gastfamilie gab es mittags meist nur etwas Kleines zu essen, während abends gross gekocht wurde.
Die Schule ging meist bis 16.05 Uhr, weswegen wir oft noch Zeit für eine gemeinsame Aktivität mit Neave oder ihrer Mutter hatten. Wir haben Dornach und den Strand erkundet, eine feine Schokolade in einem Café bestellt, in Buchläden gestöbert, in einem sehr kalten See gepaddelt und geschwommen, Polarlichter gesehen, ein Kino in einem Lastwagen besucht und vieles mehr.
Unsere Gastfamilie – Vera Betschart
In unserer Gastfamilie fühlte ich mich von Anfang an sehr wohl. Da wir bereits vor unserem Aufenthalt in Kontakt standen, konnten wir uns vorab besser kennenlernen und mehr über unseren Aufenthalt erfahren.
Als wir nach einem anstrengenden Flug um ca. 23.00 Uhr (dortige Zeit) in Inverness ankamen, wurden wir direkt von Neave und ihrer Mutter, Irene, mit einem Willkommensschild begrüsst. Anschliessend fuhren wir für eine Stunde nördlich nach Bonar Bridge. Auf dieser Fahrt erfuhren wir viel über Schottland und unsere Gastfamilie, erzählten aber auch viel von uns. Zu Hause angekommen, wurden wir in der Küche von einem Teil der Familie begrüsst. Jer (Vater), Skye (grosse Schwester) und ihre Grosseltern waren da, und Irene kochte uns eine leckere Gerstensuppe. Die beiden anderen Geschwister, Hope und Tay, waren leider nicht da, da sie bereits ausgezogen sind, um in Glasgow und Edinburgh zu studieren. Später haben wir die beiden dann auch kennengelernt.
Die Küche war mein absoluter Lieblingsplatz im Haus. Der L-förmige Raum bot Platz für eine grosse Kücheninsel und einen Esstisch, an dem man zusammenkam, um Spiele zu spielen, Musik zu hören und sich auszutauschen. Dort war es warm und gemütlich, und es gab keinen Moment, in dem ich in die Küche kam und niemand da war.
Das Haus war aber auch im Allgemeinen immer gut besucht. Mehrere Bekannte und Verwandte waren über die zwei Wochen bei uns und schliefen oft auch im Gästezimmer. So wurde uns nie langweilig.
Wie schon erwähnt, kochte Irene immer super, und wir durften verschiedene Spezialitäten des Landes probieren, zum Beispiel vegetarischen «Haggis».
Irene war sehr herzlich, immer für uns da und für mich wie eine zweite Mutter. Auch Jer kümmerte sich super um uns. Er hat uns extra Wasser in Flaschen gekauft, da der chlorige Geschmack des schottischen Wassers etwas ungewohnt für uns war. Neave war eine super Guide und zeigte uns die Schule, Dornach und die weitere Umgebung. Wie der Rest der Familie war auch sie sehr sympathisch und hilfsbereit.
Im Allgemeinen bin ich sehr dankbar, dass mir meine Eltern und meine Schule diese tolle Erfahrung ermöglicht haben und ich so viel über das Land, die Kultur und die Menschen dort lernen durfte. Auch der Gastfamilie bin ich sehr dankbar für den Aufwand, die Fürsorge und die Freundlichkeit, die sie uns entgegengebracht haben. Ich freue mich schon sehr darauf, sie im Sommer wieder zu besuchen.
Bericht Schottland – Mona Lüönd
Letzten September durfte ich zwei erlebnisreiche Wochen in den Highlands von Schottland verbringen. Neben den paar Tagen an Schule, die wir besucht haben, hat uns die Gastfamilie durch ihre Heimat geführt. Von Edinburgh bis and den nördlichsten Punkt der britischen Festlandinsel war alles mit dabei.
Am ersten Wochenende machten wir einen Roadtrip entlang der schottischen Ostküste. Wir machten halt bei ein paar schönen Stränden und nach einer langen Reise, in der uns die Familie viel über die Geschichte Schottlands erzählt hat, kamen wir am nördlichsten Punkt der britischen Festlandsinsel an. In John O’ Groats erkundeten wir dann die touristischen Angebote und machten ein paar Fotos. Auf dem Rückweg zeigten sie uns dann ihren Lieblingsort zum Fish N’ Chips essen. Das darf natürlich bei einer Reise nach Schottland auch nicht fehlen.
Nach unseren letzten Tagen in der Schule in Dornoch und einem schweren Abschied von den Mitschülern und Lehrern hatten wird dann noch zwei letzte Reisen vor uns. Am Tag vor unserer Abreise nach Edinburgh fuhren wir dasmal Richtung Westküste. Die Autofahrt war sehr eindrücklich und ich bewunderte die Highlands in ihrer vollen Blüte. Wir besuchten ein kleines Dorf an der Küste und anschliessend waren wir an einem Strand und genossen unsere traditionellen ‘Pies’ im Sand.
Weil wir von Edinburgh aus wieder zurück nach Zürich flogen, entschieden wir uns zu den Grosseltern der Gastfamilie zu fahren die in der Nähe von Edinburgh wohnen. Die Fahrt dauerte zwar ungefähr vier Stunden jedoch besuchten wir das berühmte Loch Ness auf dem Weg.
Am nächsten Tag machten wir uns mit dem Zug auf den Weg in die Stadt. Ich freute mich sehr, weil ich schon vieles über Edinburgh und die Geschichte der Stadt gehört hatte. Als sehr geschichtsinteressierte Schülerin freute ich mich auf den kommenden Besuch in der Burg und den Museen.
Ich war sofort überwältigt von all den alten Gebäuden und Monumenten der Stadt. Wir machten einen kleinen Rundgang durch die Stadt und liefen schlussendlich die berühmte Royal Mile hinauf, um zum Edinburgh Castle zu gelangen. Wir besuchten die Burg und ich war sehr begeistert, weil ich auch mehr über Maria Stuart von Schottland erfahren konnte.
Den Rest vom Tag wanderte ich auch noch ein wenig alleine in der Stadt herum und stöberte in Läden herum. Ich wollte auch unbedingt eine Schallplatte einer schottischen Band kaufen. Ich war auch noch in der Scottish National Gallery und schaute mir dort die Gemälde an.
Am letzten Tag waren wir wieder in Edinburgh und machten noch eine kleine Shoppingtour. Am Abend besuchten Vera und ich eine geführte Tour durch die Edinburgher «Vaults». Was viele nicht wissen: Edinburgh ist eine Stadt, die auf alten Gebäuden erbaut wurde. In den ganz alten Gebäuden, die ganz unten in diesem Gewirr liegen, lebten früher die ärmsten Arbeiter. Bei dieser Tour konnten wir diese Räumlichkeiten besichtigen, während die Führerin uns spielerisch wahre Geschichten aus der Zeit erzählte, als dort noch Leute lebten. Es war schon ein wenig furchteinflössend, aber auch sehr interessant.
Ich bin sehr dankbar für diese zwei Wochen und blicke immer mit viel Freude auf diese Zeit zurück. Ich danke Frau Thiele, Herr Burkhard und den Lehrern in Schottland für diese einmalige Möglichkeit.
Ich kann einen solchen Austausch Schülerinnen und Schülern empfehlen, die selbstständig, kontaktfreudig und abenteuerlustig sind. Man lernt viele neue Leute kennen und entdeckt eine Welt, die einem komplett fremd ist. Dieser Austausch hat mir viel in der englischen Sprache beigebracht, aber auch in Sachen Geschichte. Ich würde es auf jeden Fall wieder machen und kann ein solches Erlebnis nur weiterempfehlen.
Text: Vera Betschart und Mona Lüönd
Bild: Klasse GYM 2A
Organisation, Begleitung: