27.05.2026

Holocaust

Margalith Altmann erzählt aus dem Leben ihres Vaters

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An unserer Fachmittelschule mit den Schwerpunkten Pädagogik, Gesundheit und Soziale Arbeit steht nicht nur das fachliche Wissen im Mittelpunkt. Uns ist es ein Anliegen, dass unsere Jugendlichen zu einfühlsamen und verantwortungsbewussten Menschen heranwachsen. Ein zentraler Baustein dafür sind Begegnungen mit Menschen wie Margalith Althaus, die ihr Leben und ihre Erfahrungen mit uns teilen. Diese Momente ermöglichen es unseren Lernenden, Empathie, Widerstandskraft und gesellschaftliche Verantwortung hautnah zu erleben. Solche Begegnungen prägen – sie zeigen, wie Vielfalt, Leid und Hoffnung das Leben formen und warum es so wichtig ist, zuzuhören, zu verstehen und sich für andere einzusetzen.


In den Mittagsstunden des 26. Mai, versammeln sich die Lernenden der Klassen der FMS 3 im Versammlungsraum und begrüssen Frau Margalith Altmann, gemeinsam mit Tina Sarli und Jeannette Bär. Frau Altmann ist orthodoxe Jüden und erzählt uns die Lebensgeschichte ihres Vaters Emil Roosen.

Aus dem Leben gerissen

Im jungen Alter von nur zwölf Jahren muss Emil Roosen 1938 mit seiner Familie aus Krefeld in Westdeutschland fliehen. Als jüdische Familie suchen sie in den Niederlanden Schutz vor der Bedrohung durch die Nationalsozialisten. Doch die Hoffnung auf Sicherheit währt nur kurz: Fünf Jahre später wird die Familie – deren Vater noch im Ersten Weltkrieg für seine herausragenden Verdienste von der deutschen Armee ausgezeichnet wurde – ins Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert.

Für Emil Roosens Schwester und ihre Tochter endet dieser Albtraum in den Gaskammern. Emil und sein Vater werden zur Zwangsarbeit gezwungen, erhalten dabei kaum mehr als zwei Stück Brot pro Woche. Mit nur 18 Jahren wiegt Emil Roosen noch 33 Kilogramm – ein schreckliches Zeugnis der unmenschlichen Bedingungen. Anfang 1945 stirbt sein Vater an Entkräftung.

Im April 1945 wird Emil Roosen zusammen mit anderen Häftlingen, darunter seine Mutter, in einen Viehwaggon gepfercht. Zwölf Tage lang werden sie ohne Nahrung durch Deutschland transportiert, bis sie schliesslich von russischen Soldaten befreit und in Krankenhäuser gebracht werden. Doch selbst diese Rettung kommt zu spät: Nur wenige Wochen später stirbt auch seine Mutter.

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Bild oben: Margalith Altmann erzählt mit ruhiger Stimme - Ihre Worte aber sind verstörend


Wir dürfen das nie vergessen

50 Jugendliche lauschen im Versammlungsraum des Theresianums gebannt den Worten von Margalith Altmann, als sie aus dem Leben ihres Vaters erzählt. Es sind schreckliche Erzählungen. 

Die abschliessende Fragenrunde kommt nur allmählich ins Rollen. Zuerst, wie es scheint, müssen die jungen Erwachsenen das Gehörte verarbeiten. Schliesslich fragt eine Schülerin, ob ihr Vater viel von seiner Vergangenheit erzählt habe. «Eigentlich hat er nicht viel erzählt», antwortet Margalith Altmann. «Er wollte nicht zurückblicken, sondern immer positiv in die Zukunft schauen», erklärt die orthodoxe Jüdin, die heute mit ihrer Familie in Zürich lebt. Die Details der Geschichte ihres Vaters entnimmt sie teilweise einem Interview, welches der Filmregisseur Steven Spielberg damals mit ihren Eltern geführt hat.

Als Tochter von Holocaust-Überlebenden sieht sie es als ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass dieses dunkle Kapitel nie in Vergessenheit gerät. Und mit persönlichen Geschichten erreiche man die Menschen besser als mit reinem Geschichtsunterricht, ist sie überzeugt.

Emil Roosen verstarb 2020 im Alter von 94 Jahren und hinterliess zwei Töchter, einen Sohn, 26 Enkelkinder und über 60 Urenkelkinder – und damit seinen ganzen Stolz.

Credits

Ein grosses Dankeschön geht an:

  • Frau Margalith Altmann, Tochter eines Holocaust-Überlebenden
  • Jeannette Bär, Lehrerin für Geschichte und Politik
  • Tina Sarli, Leitung FMS
  • Bild und Text, Daniel Steiner

Medien

Die Medien berichten regelmässig über die Aufklärungsarbeit von Frau Altmann.

Autor: Daniel Steiner