Schülerinnen im Theresianum Ingenbohl

Dr. Marzena Kopp-Podlewski

Die Summe verschiedener Erlebnisse an der Schule des Theresianums haben das Leben von Frau Dr. Marzena Kopp-Podlewski geprägt. Die Klasse, welche sie besuchte, behielt sie als dynamisch und rebellisch in Erinnerung. Es wurde viel ausprobiert und hinterfragt und dies hat sie bis heute beibehalten.

Wofür sind Sie als ehemalige Schülerin des Theresianums besonders dankbar?

Im Internat lebten viele verschiedene «Charaktere» auf relativ engem Raum zusammen. Ich verbrachte viel Zeit – ob im Klassenzimmer, beim Essen oder im Schlafsaal – zusammen mit Mädchen bzw. jungen Frauen, die anders waren als ich. Wäre ich in einer öffentlichen Schule gewesen, hätte ich vermutlich nur wenige Berührungspunkte mit ihnen gehabt. Als Interne mussten wir uns jedoch untereinander arrangieren und mit der Andersartigkeit auskommen lernen. Das trug wesentlich dazu bei, dass ich Toleranz und Verständnis für anders «tickende» Menschen entwickelt habe.

Inwiefern profitieren Sie heute bei Ihrer täglichen Arbeit im politischen Umfeld von Ihrer Grundausbildung im Theresianum?

Dank der breit abgestützten Ausbildung im Gymnasium wie auch meinem darauffolgenden Studium habe ich eine wertvolle Allgemeinbildung erhalten. Gerade in der Politik, die alle Lebensbereiche tangiert, profitiere ich sehr von dieser breitgefächerten Bildung. Ich kann mich rasch in ein neues Thema eindenken, die verschiedensten Inhalte nachvollziehen und auch vernetzt denken. Dafür ist das Theri «mitverantwortlich». Immer wieder erinnere ich mich an die verschiedenen Diskussionen im Klassenzimmer. Beispielsweise kürzlich, als ich meinen Söhnen die «Ringparabel» aus «Nathan dem Weisen» erläuterte. Der Unterricht hat also nachhaltige Spuren bei mir hinterlassen.

Sie haben jahrelang im betriebswirtschaftlichen Bereich gearbeitet. Worin haben Sie profitieren können?

Ja, ich habe in unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet – von einem Einmannbetrieb bis zur Grossbank. Dadurch konnte ich sehen, wie die verschiedenen Unternehmen arbeiten, wie sie strukturiert sind und insbesondere wie die Kommunikationswege verlaufen. Da ich generell ein offener und interessierter Mensch bin, betrachte ich die jeweiligen Tätigkeiten als eine Horizonterweiterung und nehme die jeweiligen Erfahrungen einfach mit.

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Seit wann befassen Sie sich mit Mentaltraining? Was erfreut Sie an dieser Tätigkeit am meisten?

Als ich 18 Jahre alt war, starb mein Vater unerwartet an einem Herzinfarkt. Dieses Ereignis führte dazu, dass ich mit meiner Mutter viel über den Sinn des Lebens wie auch über verschiedene philosophische, spirituelle wie mystische Themen sprach. Mit der Zeit konkretisierte sich dann mein Interesse für Mentaltraining. Ich spürte einfach, dass ich in dem Bereich mehr erfahren wollte. So entschloss ich mich für eine Weiterbildung zum Mentalcoach. Diese löste dann bei mir eine Art Paradigmenwechsel aus. Ich sehe Vieles nun in einem anderen Licht. Ich freue mich auch, wenn ich mein Wissen in Workshops teilen oder im Rahmen eines Coachings die Leute begleiten und in ihrer eigenen Entwicklung weiterbringen kann.

Sie wirken in der Schulpflege an Ihrem Wohnort. Welche Themen reizen Sie am meisten? Wo können Sie etwas bewirken?

Mich interessieren sowohl das Lernen an sich wie auch die bildungspolitischen Prozesse. Als Schulpflegerin erlebe ich beides: Auf Schulbesuch sehe ich einerseits, wie der Unterricht im Alltag «stattfindet», wie gelernt und gelehrt wird. Da bin ich auch im regen Austausch mit den Lehrpersonen. Andererseits setze ich mich beispielsweise für eine Optimierung der Tagesstrukturen ein. Dabei ist mir wichtig, dass sich die Kinder im Schulalltag wie in der Betreuung wohl fühlen. Gleichzeitig will ich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessert wird.

Sie gingen bzw. gehen einigen ehrenamtlichen Tätigkeiten wie beispielsweise beim FC Meilen oder in der Politik nach. Was reizt Sie neben der Arbeit am meisten an diesen Aktivitäten?

Zu meiner Tätigkeit als Fussballtrainerin kam ich, als das Team meines damals 10-jährigen Sohnes zu Beginn der Saison ohne Trainer dastand. Zahlreiche Eltern regten sich über diesen Zustand ziemlich auf. Als lösungsorientierter Mensch wollte ich statt zu jammern, mich konstruktiv einbringen: So bot ich dem Fussballclub an, das Team vorübergehend zu übernehmen, bis ein neuer Trainer gefunden wird. Daraus wurden dann drei Jahre. Ich merkte rasch, dass ich mit den Instrumenten aus dem Mentaltraining viel bewirken und die Kinder gerade im Teamgedanken stärken konnte. Die fussballtechnischen Übungen suchte ich mir dann jeweils im Internet. Bereits nach kurzer Zeit hatten wir als Team erste Erfolge. Wir gewannen einige Spiele und später auch Hallenturniere. Der Höhepunkt für mich war aber der Silvesterlauf 2016 in Zürich: Die von mir gecoachte Mannschaft holte souverän den ersten Platz. Alles in allem gab mir dieses Engagement sehr viel Befriedigung. Ich finde es jeweils sehr spannend zuzusehen, wie mit entsprechenden Motivationstechniken und einem Mix aus Arbeit und Spass Bestleistungen erzielt werden können.
In die Politik bin ich reingerutscht, als vor fünf Jahren die Anfrage für die Kandidatur in die Schulpflege kam. Danach ergaben sich weitere Engagements, so dass ich nun Präsidentin der CVP Bezirk Meilen bin. Inzwischen ist mir bewusst, wie wichtig es ist, sich einzubringen, mitzudiskutieren und damit unsere Gesellschaft mitzugestalten. Zuweilen mag dieser Weg zwar beschwerlich sein, insbesondere wenn sehr unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen und es dennoch gilt, eine Lösung zu finden. Doch gerade dies macht die Politik so spannend.

Wie schaffen Sie den Ausgleich zwischen Beruf, Politik, Ehrenämtern und Familie? Was machen Sie, wenn Sie auftanken möchten?

Ich gebe zu, dass dies aufgrund meiner verschiedenen Engagements eher schwierig ist. Insbesondere während der Schulzeit, wenn viele Termine auch abends stattfinden, ist die Belastung zuweilen gross. Dafür gibt es in der unterrichtsfreien Zeit in der Regel kaum Sitzungen. Das ist dann die Zeit, in welcher ich wieder auftanken und mich erholen kann. Dann geniesse ich die Zeit mit meinen Söhnen zu Hause mit langem Ausschlafen, Brunchen, Sport oder einfach «Nichtstun». Oftmals fahren wir aber weg und verbringen die Ferien in der Natur, mit Vorliebe auf einem Hausboot.

Was möchten Sie den Schülerinnen und Schülern des Theresianums mitgeben?

Ich gebe gern meine Lieblingssprüche weiter:

  • «Ob du glaubst, du kannst es, oder ob du glaubst, du kannst es nicht: Du hast immer recht!»
  • «Tue Gutes und sprich darüber!» (Gilt primär für Frauen: Stichwort «Understatement»)
  • «Alles ist relativ.»

Im Namen des Vereins Theri Alumni möchte ich mich bei Ihnen herzlich dafür bedanken, dass Sie sich für das Porträt im THEMA zur Verfügung gestellt haben. Ich wünsche Ihnen im weiteren Wirken, unter anderem als Mentalcoach, viel Freude.

Interview: Janine Gallicchio