Die FMS 3B besucht die gleichnamige Ausstellung
Stärker als Gewalt lautet der Titel der Ausstellung, welche die FMS 3B im Rahmen des Unterrichts in PP (Psychologie, Pädagogik) und PRE (Philosophie, Religion, Ethik) gemeinsam mit der Klassenlehrperson besucht hat. Der Titel ist Programm und Ziel zugleich: stärker als häusliche Gewalt sein. Die Ausstellung findet im Kollegi Schwyz statt und wird von Fachpersonen der Kantonspolizei Schwyz und der KESB Innerschwyz begleitet.
Die Ausstellung beginnt mit einer Irritation. Im Halbkreis stehen wir vor der geschlossenen Eingangstür. Von irgendwoher tönt ein Gespräch – nein, ein Geschrei. Jemand brüllt jemanden an. Etwas fällt klirrend zu Boden. Auch wenn keine Worte ausser immer wieder ein NEIN verständlich sind, entsteht sofort ein beklemmendes Gefühl. Dann verstummt die Szene und die beiden Fachpersonen begrüssen uns mit der Frage: «Haben Sie das schon einmal erlebt: Sie gehen an einer Wohnungstür vorbei und hören, wie es drinnen laut und gewaltvoll hergeht?» Und weiter: «Wie würden Sie handeln?» Die Frage begleitet uns durch die ganze Ausstellung.
Die Ausstellung ist wie eine private Wohnung aufgebaut. Neben Wohn- und Elternschlafzimmer gibt es Küche, Bad sowie ein Kinder- und Jugendzimmer. Jeder Raum thematisiert unterschiedliche Formen häuslicher Gewalt. In der Küche schwimmt ein Handy im Suppenteller, im Abwaschbecken liegen zerbrochene Teller. Über Bildschirme, Audionachrichten und persönliche Gegenstände erzählen Betroffene ihre Geschichten. Im Kinderzimmer kann man dem Teddybären zuhören, im Kleiderschrank versteckt findet sich ein Video über ein Kind, das sich vor dem Streit der Eltern versteckt. Im Jugendzimmer wird Gewalt über Handychat thematisiert, im Badezimmer zeigt ein Spiegel das eigene Gesicht plötzlich mit Verletzungen und blauem Auge.
Die Ausstellung ist eindrücklich und geht nahe. Vieles weiss man theoretisch bereits – und doch wirkt es hier anders. Nicht abstrakt und fern, sondern unmittelbar und real. Entsprechend gross war auch das Interesse der Klasse. Die beiden Fachfrauen Priska Küttel von der Kantonspolizei Schwyz und Martina Dettling von der KESB Innerschwyz beantworteten geduldig zahlreiche Fragen. Dafür wurde bewusst das Wohnzimmer als Ort des Austauschs gestaltet – so, wie es in einer echten Wohnung sein sollte.
Die thematische Auseinandersetzung mit psychischer und häuslicher Gewalt ist dabei kein isolierter Anlass. Bereits zuvor beschäftigten sich Schüler*innen des Theresianums im Unterricht mit der Kampagne «Appel d’air» zur psychischen Gesundheit und Suizidprävention bei Jugendlichen. Dabei übersetzten und synchronisierten Schülerinnen des Theresianums auf Anfrage des Chindernetzes Kanton Schwyz französischsprachige Sensibilisierungsvideos zum Thema ‘Angst und Panikattacken’ und ‘Gewalt in jugendlichen Beziehungen’ ins Schwyzerdeutsche. Die aktuelle Ausstellung knüpft an diese Auseinandersetzung an und zeigt, dass Themen wie psychische Gesundheit, Gewalt, Zivilcourage und Hilfsangebote im Unterricht regelmässig aufgegriffen und reflektiert werden.
Besonders deutlich wurde dabei: Häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Gerade weil sie hinter geschlossenen Türen geschieht, braucht es Menschen, die aufmerksam hinhören und mutig handeln.
Notfall und Hilfe:
Polizei 117
Nationale Opferhilfe: 142
Opferberatung Schwyz und Uri: 041 857 07 42
Organisation, Realisierung, Durchführung:
Iris Hengstler und Ruth Knüsel Kron
Text: Iris Hengstler, Ruth Knüsel Kron
Bilder: Iris Hengstler