Stiftung Theresianum Ingenbohl
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www.theresianum.ch
 

 
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Website von Bettina Galliker, KGS 1986
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Portrait von Margrit Wullschleger-Schmidlin, Handel 1961
Portrait von Dr. med. Corina Wilhelm, Matura 1992
Portrait von Veronika Schneidler-Marty, KGS 1973
Portrait von Eveline Hasler


Bettina Galliker

KGS 1986
www.bahati.ch

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Denise Nägele

AHLS 2000
www.aluna.li

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 Matura 1992

Interessante Einblicke in ihr Leben während und nach dem Theri gibt die Klasse unter www.metamorphosen.ch.

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Matura 2005

Bilder einer unverwechselbaren Ex-Gymnasiumklasse: www.ak05.ch.vu

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Irene Husmann-Nussbaumer

KGS 1986
www.irenehusmann.com

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Graziella Contratto

Ausbildung:
Nach der Matura Typus B 1986 Ausbildung zur Konzertpianistin, zur Lehrerin für Mu-siktheorie, zur Kapellmeisterin (Konservatorien Luzern, Zürich, Winterthur, Basel, 1986 - 1995).

Berufliche Stationen:
- Dozentin für Musikgeschichte, Tonsatz und Harmonielehre am Konservatorium Luzern (1991 – 1998)
- Chefdirigentin des Akademischen Orchesters Freiburg i.Br. 1996 – 1999
- Musikalische Assistentin an der Berliner Philharmonie und an den Salzburger Os terfestspielen (1998 – 2000)
- Chef résident beim Orchestre National de Lyon (2000 – 2002)
- Chefdirigentin des Orchestre des Pays de Savoie (2003 – 2009)
- Künstlerische Leiterin und erste Gastdirigentin bei der Camerata Schweiz (seit 2004)

Zur Zeit Gastdirigentin bei verschiedenen Orchestern im In- und Ausland, Mutter einer einjährigen Tochter. Verheiratet mit Frédéric Angleraux, Geiger und exzellenter Koch.

Am 14. Oktober 2009 haben Sie den Anerkennungspreis des Kantons Schwyz erhalten. Was bedeutet er Ihnen?

Der Anerkennungspreis bedeutet mir sehr viel. - Obwohl er mir für kulturelle Verdienste verliehen wurde, empfinde ich ihn fast wie eine liebe Antwort von Schwyz auf all meine Gedanken, die ich dem Ort während meiner Abwesenheit gewidmet habe. Ein wenig wie die ersehnte Nachricht auf einen ersten Liebesbrief.

Welches war Ihr eindrücklichstes Theri-Erlebnis, welches eine besonders prägende Erfahrung während Ihrer musikalischen Karriere?

Im Theresianum hatte ich sehr prägende Erlebnisse, was die erste Begegnung mit bestimmten Bildungswerten betraf: Zum ersten Mal ein Shakespeare-Sonett übersetzen, zum ersten Mal Strawinskys Sacre du Printemps hören, zum ersten Mal eine Integralrechnung verstehen… das war aufregend! So aufregend, dass ich mich zu Beginn meines Berufsstudiums als Pianistin nach der Matura intellektuell immer etwas gelangweilt fühlte und unbedingt noch ein Zusatzstudium (Musiktheorie im Hauptfach, später Dirigieren) anfügen wollte, um dieses Theri-Gefühl nicht vergessen zu müssen.

In meiner musikalischen Laufbahn erlebte ich die Begegnung mit dem mittlerweile leider verstorbenen Regisseur Klaus Michael Grüber in Salzburg als revolutionäre Umstülpung meiner bisherigen Vorstellung von Opernregie. Musikalische und sängerische Gesten können auseinanderfallen und im Kopf des Zuschauers/Zuhörers findet die eigentliche Synthese statt. Das war unfassbar wichtig für mein gesamtes künstlerisches Weltbild. Für mich als Dirigentin war wahrscheinlich die 3. Sinfonie von Gustav Mahler, die ich mit dem Akademischen Orchester Freiburg i.Br. im Schwyzer MythenForum aufführte, eine der tiefsten Erfahrungen meines musikalischen Lebens. Die Naturkraft, die Mahler einzufangen versuchte, widerspiegelte sich gleich ausserhalb des Konzertsaals in den gleissenden Schneefelsen der Mythen, und die Zuhörer haben mir gesagt, dass die Musik sie noch nächtelang verfolgt hätte…

Hat sich der Wunsch, eine musikalische Laufbahn einzuschlagen, bereits zur Theri-Zeit herauskristallisiert?

Ich hatte mit Schwester Cécile Leimgruber eine wunderbare Musiklehrerin, die mich erstens derart professionell und leidenschaftlich in die Musikgeschichte und in die Fächer Analyse und Tonsatz einführte, dass ich später am Konsi Luzern in einem Jahr die theoretischen Fächer abschliessen durfte. Sie war es auch, die den Kontakt zu meiner ersten Klavierlehrerin ausserhalb von Schwyz, Grazia Wendling, am selben Konservatorium für mich herstellte.

Mit 18 Jahren durfte ich bereits in Luzern in der ‚grossen‘ Klavierklasse mitmachen, was mich sehr stolz gemacht hat. Ich hatte als Junggeigerin bereits in sehr vielen regionalen Laienorchestern mitgewirkt, viel Kammermusikerfahrung gesammelt – tatsächlich zeichnete sich mit 18 so eine Art Möglichkeit für eine Profi-Ausbildung ab. Gleichzeitig war ich immer ein wenig hin- und hergerissen zwischen der Musik und anderen Fächern, die mich ebenfalls sehr interessierten. (Einmal dachte ich an Mathematik, dann Philosophie, dann Germanistik, dann Theologie… in einem Geburtshoroskop von mir stand irgendwo, ich sollte unbedingt etwas sinnlich direkt Erfahrbares erlernen, da sonst Kopflastigkeit drohe.) Wahrscheinlich war die Musik doch das Richtige.

Welche Impulse haben Sie im Theri erhalten, die für Ihren beruflichen Weg bedeutsam waren?

Lust am Lernen und am Beherrschen einer Materie, sachbezogener Ehrgeiz und – ein wenig überspitzt – „Frauen können alles“.

Sie waren die jüngste Dozentin für Musiktheorie in der Schweiz, zwischen 2003 und 2009 Chefdirigentin des Orchestre des Pays de Savoie und damit die erste Frau in Frankreich, die einem Staatsorchester als künstlerische Leiterin vorstand. Das setzt besondere Begabungen voraus. Ich stelle mir vor, dass Sie schon zur Theri-Zeit „aufgefallen“ sind. Haben Sie die Ausbildungszeit ohne Neid Ihrer Mitschülerinnen überstanden – oder mussten Sie spezielle Strategien entwickeln?

Ich war eigentlich ein Streber – tat aber alles, um das zu vertuschen. Ich ass meinen Mittagsproviant schon ab der zweiten Morgenlektion, redete ununterbrochen mit meiner Pultnachbarin, stellte unentwegt Fragen und wollte partout witzig sein. Da ich das Gymnasium und sein enormes Lernpotenzial aber wirklich liebte, hatte das alles eine seltsame Glaubwürdigkeit. Zur Sicherheit fragen Sie bitte noch bei meinen Schulkameradinnen und Lehrpersonen nach. Neid habe ich nie gespürt, vielleicht empfanden mich die andern manchmal als etwas mühsam und dauerpräsent (ideale Voraussetzungen für eine Dirigentin…). Einmal habe ich einen Ohnmachtsanfall vorgetäuscht. Schwester Agnes – können Sie mir verzeihen?

Sie bieten Dirigierkurse für Manager an. Welche Idee steckt hinter diesem Projekt, welches Ziel verfolgen Sie und wie erleben Sie die Kaderleute in diesen Kursen?

Die Idee enstand vor etwa fünf Jahren, als mich ein Kader-Weiterbildungszentrum für einen Vortrag anfragte, Thema: Führungsstrategien im Orchesterbetrieb. Ich schlug vor, das Ganze etwas kreativer zu gestalten, lud ein Ensemble ein und brachte den dirigierwilligen Managern die technischen Grundbewegungen des Dirigierens bei. Das Resultat war wirklich faszinierend: Die meisten Persönlichkeiten waren erstens sehr geschickt, zweitens sehr charismatisch und drittens erstaunt, wie sehr sich Parallelen ziehen liessen zwischen Dirigent und Leader. Seither führen wir das Projekt immer wieder, bald ja auch zum Theri-Geburtstag!, durch, und das Schönste dabei ist: Wir Musiker lernen auch sehr viel dazu.

Mich beeindruckt, wie Sie Ideen entwickeln, um die klassische Musik einer breiteren Bevölkerungsschicht und auch der jungen Generation zugänglich zu machen. Ich denke z.B. an Ihre Tournee mit der Camerata Schweiz, wo Sie Ursus und Nadeschkin in Ihr Programm integriert haben. Wie haben Sie persönlich das Zusammenwirken von klassisch ausgebildeten Musikern und dem Komikerduo erlebt?

Das ‚Im Orchestergraben‘-Projekt war ein Glücksfall für uns alle. Die Idee stammt teils von mir, teils von Urs Wehrli und seinen ‚Kunst aufräumen’- Büchern. Ich liess mich ganz einfach inspirieren zum ‚Orchester aufräumen‘, und die Kollision zwischen den beiden Domänen Komik und Klassik war wahrscheinlich etwas vom Schönsten, Lustigsten und Lustvollsten, das ich je auf der Bühne erlebt habe.

Was praktisch alle Kritiker sehr positiv bewertet haben, war der gegenseitige Respekt: es ging nicht um Klassik ‚aufgepeppt mit Slapstick‘ oder ‚Komik mit ein paar falschen Dirigenten‘, sondern wirklich um eine Verquickung der beiden Welten. Zu Beginn spielte ich die Rolle einer wirklich sehr autoritären, boshaften und arroganten Dirigentin – für diese erste halbe Stunde musste ich strengen Schauspielunterricht nehmen (beim wunderbaren Regisseur von Ursus und Nadeschkin, Tom Ryser). Immer wieder schrien die drei auf mich ein: noch böser! Noch härter! Du bist der Boss! Du bist der Weisse Clown! Irgendwann habe ich es dann gemacht, mit dem Effekt, dass Leute aus meinem Bekanntenkreis ganz besorgt meine Mutter anriefen, ob ich denn wirklich so ein böser Hagel sei.

Ursus soll Sie gefragt haben, wie Sie denn eigentlich Dirigentin geworden sind.

Die Antwort ist ein unverständliches Räuspern. Und sollte wohl zum Ausdruck bringen, dass eine Berufung manchmal von aussen aufgestülpt werden kann. (was glücklicherweise nur bei der Figur der Fall war, nicht bei mir!).

Sie haben in jungen Jahren viel erreicht und bei Ihrer Dynamik kann ich mir vorstellen, dass Sie hellwach immer wieder nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten. Am 29. Juni dieses Jahres leiten Sie im Rahmen der 150-Jahrfeier des Theresianums ein Podiumsgespräch. Wir sind gespannt auf die Diskussion unter dem Titel: „Virtuosität in der Bildung“.

Von Herzen danke ich Ihnen für das Interview und wünsche ich Ihnen weiterhin viel Mut, aussergewöhnliche Projekte zu realisieren. Nelly Bossard-Schmid


Monika Camenzind-Besmer

Ausbildung:
- Primarlehrerinnenseminar in Ingenbohl 1991-1997
- Katechetikausbildung
- Sprachaufenthalte in Südafrika und in Fribourg
- Bäuerinnenschule im Kloster Fahr

Berufliche Stationen:
- Primarlehrerin in Unteriberg (1997-2001)
- Mutter und Bäuerin seit 2002 mit wenigen Stellvertretungen an der Schule Vitznau
- selbständige Amway-Geschäftspartnerin

Monika Camenzind-Besmer wohnt mit ihrer Familie an einem idyllischen Ort auf der Rigi. Zusammen mit ihrem Mann führt sie in der dritten Generation einen Pachtbetrieb. Die drei Kinder Silvia (6), Bettina (4) und Matthias (2) bekommen im Oktober noch ein Geschwisterchen. Silvia besucht bereits den Kindergarten in Vitznau. Für den Weg benützt sie selbständig die Vitznau-Rigi-Bahn.

Auf die bald sechsköpfige Familie wartet eine Menge Arbeit. Doch die drei Kinder unterstützen ihr Mami schon tatkräftig bei der Gartenarbeit und beim Füttern der Tiere. Die Familie besitzt zehn Mutterkühe und ebenso viele Kälber, dazu drei Aufzuchtrinder. Der Hahn muss momentan auf elf Zwerghühner aufpassen, während die Katzen darauf achten, dass die Mäusepopulation eingeschränkt bleibt.

Seit Anfang Jahr engagierst Du Dich im Vorstand des Vereins für Ehemalige und Freunde des Theresianums. Man spürt, dass Dir Deine ehemalige Schule am Herzen liegt. Was kommt Dir spontan in den Sinn, wenn Du an die Ausbildungszeit im Seminar zurückdenkst?

Ich denke an die Biologie-Stunden mit Sr. Xysta Huber. Sie war immer voller Energie und in ihren Lektionen sprühte sie vor Begeisterung. Sie verstand es, den Unterricht vorbildlich, abwechslungsreich und praxisorientiert zu gestalten. So ganz spontan erinnere ich mich an eine sehr schöne Therizeit. Schön finde ich auch, dass einige Freundschaften aus der damaligen Zeit bis heute bestehen.

Was hast Du im Theri fürs Leben gelernt?

Wir haben einen Mund und zwei Ohren: Bewusst hinhören ist wichtiger als sprechen. Die Kommunikation ist für mich heute ein wichtiger Faktor, sei es in der Partnerschaft, mit den Kindern, in der Landwirtschaft oder im Gespräch mit Schulbehörden usw. Wir haben im Semi sehr viel gelernt im Umgang mit Kindern. Was gibt es Schöneres, als wenn man das alles bei den eigenen Kindern anwenden darf und ihnen helfen kann, ihren Weg zu gehen und sich zu entfalten.

Um Deinen Mann im Beruf zu unterstützen, hast Du die Bäuerinnenschule absolviert. Wie sieht Dein Alltag als Mutter von drei kleinen Kindern und als Bäuerin aus?

Meine Hauptaufgabe ist in erster Linie die Betreuung unserer Kinder. Da wir keine Zufahrtstrasse haben und der Weg ins Dorf zeitaufwändig ist, sind mein Mann und ich sehr flexibel. Er kann genau so gut wie ich die Kinder betreuen. Wenn ich einen Termin habe oder Silvia in den Kindergarten begleiten muss, so wickelt er Matthias, kocht ein feines Essen zusammen mit den Kindern oder macht die Wäsche. Wenn er weg muss, dann gehe ich mit allen Kindern in den Stall und wir kümmern uns um die Tiere und das, was sonst noch anfällt. Dies bedingt eine sehr fliessende Kommunikation und Organisation, auch Akzeptanz, dass der Partner das eine oder andere auf seine Art auch gut macht.

Im Normalfall ist für mich um 6.00 Uhr Tagwache. 6.15 Uhr beginnt Silvias Tag und normalerweise sind dann Bettina und Matthias auch wach. Mit Wickeln, Anziehen, Frühstücken starten wir dann so richtig in den neuen Tag. Meistens marschiert Silvia um 7.20 Uhr alleine los auf die Bahnstation. Doch wenn es stark regnet, windet oder schneit, begleiten mein Mann oder ich sie; am Mittag oder Nachmittag holen wir sie wieder an der Bahn ab. In diesem schneereichen und aussergewöhnlich langen Winter kam dies oft vor. Silvias Schulweg führt auch an einem lawinengefährdeten Hang entlang und verläuft oberhalb einer steilen Felswand, was von uns viel Achtsamkeit verlangt. Mein Mann schaufelt den Schnee weg, und Silvia stapft hinter ihm her.

Am Vormittag und Nachmittag fallen je nach Saison verschiedene Arbeiten an.

Im Frühling müssen die Wiesen von Steinen und Ästen gesäubert werden, im Sommer und Herbst sind es das Heu, das Emd und die Silage, die eingebracht werden und auch noch einige Handarbeit verlangen. Von Frühling bis Herbst setzen und ernten wir im Garten, was auf unserer Höhe wächst, hauptsächlich Salat, Gemüse und Beeren zur Selbstversorgung.

Bei allen anfallenden Arbeiten dürfen die Kinder mithelfen - und sie tun dies gerne. Natürlich braucht alles ein wenig mehr Zeit, aber da schlägt mein Lehrerinnenherz, denn ich sehe, wie sie alles lernen und verstehen möchten, Ideen kreativ verwirklichen, wie sie so spielerisch zählen, rechnen und zuordnen lernen - eben Lernen durch Tun. Dieses Zusammensein und Zusammenarbeiten in der Familie betrachte ich als grosses Privileg, es bedeutet für uns wahre Lebensqualität.

Nach 19.00 Uhr kehrt bei uns Ruhe ein. Alle Kinder schlafen und es bleibt Zeit, um Wichtiges zu besprechen, Büroarbeiten zu erledigen, die für Kinder „gefährlichen“ Arbeiten zu verrichten, wie Konfi und Sirup einkochen.


Das Leitbild der Schweizer Bauern lautet:
Wir produzieren naturnah und standortgerecht.
Wir führen die Betriebe unternehmerisch.
Wir richten uns nach den Bedürfnissen unserer Konsumenten.

Orientiert Ihr Euch an diesem Leitbild, und was heisst das konkret für Eure Situation?

Wir führen einen von Bio-Suisse zertifizierten Betrieb. Mit der Mutterkuhhaltung produzieren wir sicher sehr naturnah. Auch behandeln wir unsere Mutterkühe und Kälber wie auch uns selber bei Krankheiten in erster Linie homöopathisch mit Hilfe des Homöopathen. Die Kälber trinken die Milch bei ihrer Mutter. Wir kaufen und füttern kein Zusatzfutter. Das Vieh frisst Gras, im Winter Heu und Silage. Von unserem Betriebsstandort her ist dies das richtige für uns.

Unseren Betrieb unternehmerisch zu führen, im Sinne von Aufwand = Ertrag, ist sehr schwierig. Mein Mann säubert tagelang Wiesen und Weiden von Unkraut, kleinen Tännchen und befreit sie von Dornen, und dies biologisch, d.h. auszerren und mähen, nicht abspritzen, damit das Land nicht verbuscht. Er mäht Felsbänder von Hand, macht in Magerheuwiesen „Heuburden“ und lässt sie am Seil zum Stall runter sausen, säubert im Frühling Wiesen von Steinen, Ästen und umgestürzten Bäumen oder öffnet bei starken Regenfällen Tag und Nacht Wasserablaufrinnen in Wanderwegen, damit das Wasser überall abfliesst… das ist sicher eine finanziell uninteressante Arbeit, jedoch hilft dies uns, dass keine schlimmen Rutsche das Land verwüsten oder eben durch Verbuschung das Land verschwindet (Landschaftspflege).

Seit einem Jahr vermarkten wir das Fleisch unserer Naturabeefs (Kälber bis 10 Monate alt) privat und gehen dabei voll und ganz auf die persönlichen Bedürfnisse unserer Kunden ein.


Ihr betreibt Mutterkuhhaltung. Welche Überzeugungen und Überlegungen haben Euch dazu bewogen?

Als mein Mann 1994 den Betrieb übernommen hat, stellte er von der Milchproduktion auf die Mutterkuhhaltung um. Es ist überhaupt nicht mehr zeitgemäss auf einem Betrieb wie dem unseren, Milch zu produzieren. Da wir keine Zufahrtstrasse haben, wäre der Transport der Milch sehr aufwändig und umständlich. Es handelt sich auch nicht um grosse Mengen Milch. Bei Kälbermast müsste man kleine Kälber hinzukaufen. Für Milchkühe bräuchte es auch Zusatzfutter, was bei uns wieder nicht sinnvoll ist, da wir es mit der Bahn transportieren müssten. Fleisch von Mutterkuhkälbern ist ein Produkt, das beim Konsumenten gefragt ist. 2006 haben wir begonnen, unsere Braunvieh-Mutterkühe durch Grauvieh-Mutterkühe zu ersetzen, weil diese geländegängiger und leichter sind und somit weniger Trittschäden verursachen.

Kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen: „Nur wenige wissen, was Tag für Tag auf einem Bauernhof geschieht.“ Deshalb haben Pächter des Klosters Frauenthal an verschiedenen Orten des Gutsbetriebs Tafeln mit Rätseln (und den dazugehörigen Antworten) gesetzt. Sie bieten den Interessierten eine Art Gucklöcher in die Welt der Bauern.

Mit unserm Interview hoffen auch wir, einen kleinen Einblick in den Alltag eines (Eures) Bergbauernbetriebs zu ermöglichen. Möchtest Du auf ein Anliegen der Bergbauern besonders aufmerksam machen?

Kürzlich hat mir jemand gesagt, die Bergbauern seien alle Sozialfälle, sie bekämen vom Staat Direktzahlungen geschenkt. Ich denke, dass viele Bergbauern ohne Direktzahlungen ihre Betriebe aufgeben müssten. Genau wegen dem Aufwand und Ertrag. Der Bergbauer ist heute auch ein Landschaftsgärtner. Er pflegt für einen kleinen Ertrag tagelang Wiesen und Weiden, die jedoch einen riesigen Naturschatz enthalten, die fantastische Biodiversität (die biologische Vielfalt an Pflanzen und Tieren, an Erbinformationen in den Lebewesen, der natürlichen Lebensräume und Lebensgemeinschaften). Momentan startet ein Projekt an den Rigi-Südhängen, das zum Ziel hat, diese Biodiversität zu erhalten und zu fördern und die Arbeit der Bergbauern zu entschädigen, damit weniger Landwirte einem ausserbetrieblichen Nebenerwerb nachgehen müssen und sich dadurch Zeit für diese aufwändige Arbeit nehmen können (www.naturigi.ch). Und das ist schlussendlich auch das, was der Tourist von den Schweizer Bergen als Bild heimnimmt. Eine gepflegte Bergwelt mit den feinen Düften und prächtigen Blumenwiesen, das Zirpen der Grillen und die Vielfalt der Schmetterlinge. Die Direktzahlungen sind in meinen Augen eine Entschädigung für einen Teil der Arbeit, die der Bergbauer täglich ausführt zum Schutz der Landschaft, zum Schutz vor Erosion – und sicher auch eine Motivation, diese Arbeit weiterhin auszuführen, obwohl ein Bergbauer im Nebenerwerb viel mehr verdienen könnte.

Verfügen bäuerliche Kleinbetriebe über genügend Einnahmequellen aus dem landwirtschaftlichen Sektor, oder müssen sie sich um zusätzliche Einkünfte kümmern?

Wenn ich in unserer Umgebung schaue, gibt es nur ganz wenige Kleinbetriebe, die nicht zusätzlich einem Nebenerwerb nachgehen. Meistens leben diese Familien sehr bescheiden und einfach. Will man sich zusätzlich etwas leisten oder fallen grössere Anschaffungen an: z.B eine neue Maschine, eine Renovation oder der Neubau eines Gebäudes oder hat man Pech im Stall, so kommt man wohl nicht mehr um den Nebenerwerb herum.

Herzlichen Dank für den Einblick in das Leben einer Bergbauernfamilie. Ich hoffe, dass viele Leserinnen und Leser in Zukunft noch bewusster wahrnehmen, wie viel Arbeit erforderlich ist, wenn sie auf ihren Bergwanderungen so prachtvoll blühende Wiesen antreffen.

Dir und Deiner Familie wünsche ich von Herzen alles Gute. Nelly Bossard-Schmid


Margrit Wullschleger-Schmidlin

Ausbildung:
- Handelsdiplom am Theresianum
- Emailtechnisches Praktikum bei Bayer in Leverkusen
- Sprachaufenthalte in England, Lausanne und Florenz
- Berufsbegleitende Weiterbildungen

Berufliche Stationen:
- Mitarbeit im Familienbetrieb Wilhelm Schmidlin AG
- Mutter von vier Kindern
- Inhaberin und Geschäftsleiterin der Badewannenfabrik Wilhelm Schmidlin AG in Oberarth zusammen mit ihrem Gatten Eduard Wullschleger

Welche Begebenheit aus der Therizeit kommt Dir als Erstes in den Sinn, wenn Du Dich zurückerinnerst?
Vor allem, dass ich sehr gerne ins Theri ging. Dann an viele interessante Begegnungen mit jungen Frauen und an die Tessinerinnen, die meinem Naturell sehr entsprachen. Leider kommt mir auch in den Sinn, wie oft ich mich nicht verstanden fühlte; meine Lebhaftigkeit wurde zu unrecht als Oberflächlichkeit interpretiert.
Ich wäre auch sehr gerne noch länger im Theri geblieben. Ich war nach dem Handelsdiplom noch für die Handelsmatura angemeldet, aber leider kam dann keine ganze Klasse zusammen. Ich habe das damals sehr bedauert; aber aus heutiger Sicht ist es gut so, denn sonst hätte mein Leben vielleicht eine ganz andere Wende genommen.

Heute ist die Mittelschul- und die Hochschulbildung für Frauen ebenso selbstverständlich wie für Männer. Das war nicht immer so. Zur Zeit Deiner Ausbildung war der Prozentsatz der Frauen, die eine Mittelschulbildung absolvieren durften, wesentlich geringer. Hast Du es als Privileg empfunden, eine Mittelschule zu besuchen?
Ich muss gestehen, dass es mir damals nicht bewusst war, welches Privileg ich hatte. Erst als ich dann im Berufsleben stand, war ich für die Strenge von Sr. Clemens-Maria plötzlich sehr dankbar. Ein Privileg waren auch die Kunstgeschichte- und Literaturstunden bei Sr. Pia Rita. Sie organisierte für uns sogar den Besuch einer Aufführung von Schillers Piccolomini im Schauspielhaus in Zürich. Damit wurden bei mir die musischen Interessen geweckt, die mich nun mein ganzes Leben lang begleiten.
Auch an den durch Sr. Antonella vermittelten Feriensprachkurs in London denke ich gerne zurück. Ich durfte im Holy Cross Convent, einem edlen Landhaus, das den Ingenbohler-Schwestern gehörte, wohnen und von dort aus in die Schule gehen.

Denkst Du, dass die Se-Edukation, also der geschlechtergetrennte Unterricht, Dein Selbstbewusstsein gestärkt hat?
Ich hatte damals sehr wenig Selbstvertrauen. Ich bin mit zwei jüngeren Schwestern aufgewachsen, und wir hatten in der Primarschule in Goldau immer geschlechter- getrennten Unterricht. Für die Sekundarschule gingen wir sogar in ein separates Schulhaus nur für Mädchen. Damit waren Buben für mich fremde Wesen und ich weiss nicht, wie der Unterricht in einer gemischten Klasse gewesen wäre. (Nachdem ich nun drei Söhne und drei Enkelsöhne habe, sind Buben für mich keine fremden Wesen mehr!)

1985 hast Du zusammen mit Deinem Mann die Stahlbadewannenfabrik Schmidlin übernommen. War es bereits zur Therizeit Dein Ziel, in die Firma Deines Vaters einzutreten? Was hat Dich gereizt, diese Aufgabe weiterzuführen?
Ich durfte und musste bereits zu meiner Therizeit sehr oft meinem Vater helfen. Ich habe das sehr gerne gemacht; er war eine charismatische Persönlichkeit und hat mir immer das Gefühl gegeben, dass meine Mithilfe für ihn wertvoll sei. Andererseits habe ich dabei auch Sorgen mitbekommen, die mich dann belastet haben.
Es war dann für meinen Vater und für mich irgendwie folgerichtig, dass ich mich für die Mithilfe im Betrieb weiterbildete und ohne viele Abmachungen in die Firma eintrat.

Heute beschäftigt die Firma Schmidlin 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Angebot sind mehr als 10’000 Modelle. Was bedeutet es für Dich, auf ein Werk zurückzuschauen, das Deine Familie mit vereinten Kräften über zwei Generationen aufgebaut hat?
Vor allem bei der Übergabe der Verantwortung für die Geschäftsleitung an unsere Söhne wurde mir bewusst, wie dankbar ich sein kann, dass ich zusammen mit meinem Mann das Werk des Vaters erfolgreich weiterführen durfte. Die Erfüllung dieser Aufgabe hat uns sehr viel Engagement abverlangt, uns aber auch sehr viel Befriedigung und Freude gebracht.

Welche Eigenschaften muss eine Führungspersönlichkeit aufweisen, um ein Unternehmen wie die Wilhelm Schmidlin AG erfolgreich zu führen?
Als Besitzer und Leiter eines Familienunternehmens darf man nicht den kurzfristigen Gewinn, sondern nur den langfristigen Erfolg vor Augen haben. Man muss begeisterungsfähig und beharrlich sein können sowie Verantwortung übernehmen wollen, Menschen, insbesondere Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten schätzen und ihnen dienen wollen. Nicht zuletzt sollte man Visionen haben und eine positive Einstellung zu all den vielfältigen und zum Teil unerwarteten Aufgaben, die auf einem zukommen.
Der Lohn dafür ist dann ein interessantes und erfülltes Leben.

Eine meiner Devisen lautet:
Wenn du ein Schiff bauen willst,
so trommle nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen,
Werkzeuge vorzubereiten,
Aufgaben zu vergeben
und die Arbeit einzuteilen,
sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer!
(Antoine de Saint-Exupéry)

Seit September 2007 wird die Firma Wilhelm Schmidlin AG in der dritten Generation geleitet. Bestimmt erfüllt es Dich mit Stolz und Freude, dass Deine beiden Söhne nun das Unternehmen führen. So wie ich Dich einschätze, wirst Du immer noch um Rat und Unterstützung gefragt. Wie sieht Dein Alltag heute, also im Pensionsalter aus?
Ja, es erfüllt mich wirklich mit viel Freude, wenn ich sehe, mit wieviel Engagement zwei unserer Söhne, Urs und Beat, in die Firma eingetreten sind. Sie sind sehr gut ausgebildet und haben sich bereits viel Fachkompetenz angeeignet, um das Unternehmen selbständig zu führen.
Momentan helfen mein Mann und ich im Hintergrund noch mit. Aber auch dies ist eine grosse Herausforderung: Da zu helfen, wo Hilfe gefragt ist, und da zu intervenieren, wo Intervention nötig ist, und da zu schweigen, wo Schweigen förderlich ist und sich vor allem nach den vielen Jahren an der Spitze zurückzunehmen und nirgends im Wege zu stehen.
Ich habe jahrelang meine Zeit sehr straff einteilen müssen. Nun geniesse ich es, etwas mehr auf mich und auf meine Bedürfnisse hören zu können.
Aber da sind bereits die ersten Enkel, Tim und Rafael, die Söhne von Brigitte, und Dillon, der Neugeborene von Urs. Was, wenn die beiden anderen Söhne auch noch verheiratet sind? Mein Leben geht intensiv weiter.

Verbunden mit einem herzlichen Dankeschön für das Interview wünsche ich Dir weiterhin viel Elan für die vielen Aufgaben, die auf Dich warten. Nelly Bossard-Schmid

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Dr. med. Corina Wilhelm

Ausbildung:
- Primarschule in St. Gallenkappel
- Gymnasium Typus B am Theresianum in Ingenbohl, Matura 1992
- Ein Jahr Studium der Biochemie (wegen Platzmangel für Medizinstudenten in Zürich; damals gab es noch keinen Numerus clausus.)
Medizinstudium an der Universität Zürich (1994-1999)
- Staatsexamen 1999
- Dissertation 2001
- Facharzttitel (FMH) für Kinder- und Jugendmedizin 2007
- Schwerpunkttitel Neonatologie 2008

Berufliche Stationen:
- Assistenzärztin Chirugie/Geburtshilfe am Regionalspital Prättigau, Chefarzt Dr. U. Bühler (Januar 2000 bis März 2001)
- Assistenzärztin Anästhesie im Kantonsspital Chur, Chefarzt Dr. T. Sieber (Mai 2001 bis Juni 2002)
- Praxisassistenz bei Dr. med. M. Good, FMH Kinder- und Jugendmedizin in Bülach (Juli 2002 bis Dezember 2002)
- Assistenzärztin Neonatologie am Universitätsspital Zürich, Chefarzt Prof. H.U. Bucher (Januar 2003 bis Dezember 2003)
- Assistenzärztin am Kinderspital Zürich auf den Abteilungen Kinderchirurgie, Säuglingsstation, Nephrologie/Dialyse, Intensivstation, Onkologie. Chefarzt Prof. F.H. Sennhauser (Januar 2004 bis März 2006)
- Oberärztin am Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen auf der Intensivstation (Mai 2006 bis Dezember 2007)
- Oberärztin am Spital Zollikerberg auf der Abteilung für Neonatologie, Leitende Ärztin Frau M. Mönkhoff (seit Januar 2008).

Woran erinnern Sie sich besonders gerne, wenn Sie ans Theri zurückdenken?
An die ausgefallenen, anregend lustigen Ideen von Nadine und Fossi, an die Abendessen im Garten während der Sommerzeit und an den guten Zusammenhalt, der trotz Zweckgemeinschaft entstanden ist.

In letzter Zeit hört man immer wieder, dass es Frauenschulen besser gelingt, die Eigenständigkeit und das Selbstbewusstsein junger Frauen zu fördern. Wie denken Sie darüber?
Das kann ich mir sehr gut vorstellen, auch wenn mir der persönliche Vergleich fehlt. Das intensive Bemühen um Äusserlichkeiten und das Werben um das männliche Geschlecht konzentrierten sich zu unserer Zeit ausschliesslich auf die Mittwochnachmittage, das Wochenende und auf den von unserer Klasse zum ersten Mal initiierten Tanzkurs (mit männlichen Partnern aus dem Kollegium Schwyz).

Warum haben Sie sich für das Medizinstudium entschieden? Hatte die Ausbildung im Theri einen Einfluss auf die Berufswahl?
Meine Berufswünsche als Kind waren Ärztin oder Lehrerin. Damals hatte ich eher daran gedacht, einmal Tierärztin zu werden. Diesen Aspekt finde ich heute sehr interessant, da die Kommunikationsmöglichkeiten eines neugeborenen Kindes denjenigen von Tieren sehr ähnlich sind. Das Theresianum vermittelte mir ein sehr gutes Allgemeinwissen, was mir für die Zukunft den Weg geebnet hat. Während des Medizinstudiums habe ich die geisteswissenschaftlichen Fächer sehr vermisst, insbesondere auch die Sprachen.
Den Lehrer-Aspekt kann ich in der Ausbildung der Pflegefachkräfte in aller Kreativität ausleben.

Im Jahr 2004 hat die Hälfte der Prüflinge die Eintrittsprüfung zum Medizinstudium nicht bestanden, und 2006 war es bereits über die Hälfte. Was würden Sie einer Gymnasiastin raten, die sich für das Medizinstudium interessiert, sich aber vor dem Numerus clausus fürchtet?
Zu meiner Zeit existierte der Numerus clausus in dieser Form noch nicht. Bei Platzmangel an den beliebtesten Universitäten wurden wir ans andere Ende der Schweiz geschickt. Ich empfehle der angehenden Medizinstudentin, sich an eine Kollegin zu wenden, die im ersten oder zweiten Studienjahr ist und sich damit auskennt.

Was macht den Beruf der Kinderärztin attraktiv? Der Lohn kann es nicht sein, figuriert er doch auf der Lohnskala der Ärzte ziemlich am Ende.
Die Attraktivität meines Berufes zeichnet sich ganz klar durch den täglichen Kontakt mit Kindern (ich schätze deren Ehrlichkeit und direkte Art) und ihren Eltern aus. Dabei möchte ich nicht verhehlen, dass die Interaktion mit den Eltern sehr anspruchsvoll sein kann und eine spezielle Herausforderung an unsere Berufsgruppe darstellt. Die Anforderungen an Eltern von kranken Kindern können immens sein. Nicht nur die Entscheidungen für oder gegen eine Therapie in Extremsituationen (z.B. Operation bei komplexem Herzfehler mit ungewisser Prognose), sondern auch ein banaler Schnupfen oder Brechdurchfall kann das Familiensystem ans Limit bringen.

Ich könnte mir vorstellen, dass eine Kinderärztin neben den Vorsorgeuntersuchungen, dem Impfen und der Patientenbetreuung in akuten Fällen manchmal auch als Erziehungsberaterin amten muss. Können Sie diese Annahme bestätigen?
Erziehungsberaterin finde ich ein wenig zu hoch gegriffen. Wir stehen Kindern und ihren Eltern auch in schwierigen Lebensphasen unterstützend und beratend zur Seite. Wichtig erscheint mir dabei, die Ressourcen der Familien zu erkennen und auf den Tisch zu legen. Meist bringt dadurch eine Familie eigene Lösungsszenarien zu Tage, die dann im Alltag auch greifen.

Apropos Impfen: Mir scheint, dass immer mehr Eltern zu den Impfskeptikern gehören. Ist das Realität? Was raten Sie den Eltern?
Dazu möchte ich lediglich Folgendes sagen: Als Schulmedizinerin habe ich auf zwei grossen Kinderintensivstationen der Schweiz gearbeitet und dabei Kinder mit schweren Krankheiten behandelt, die durch Impfungen vermeidbar gewesen wären. Darum gehöre ich zu den Impfbefürwortern. Ich rate den Eltern, ihre Kinder entsprechend dem schweizerischen Impfplan zu impfen.

Viele junge Frauen möchten sich sowohl im Beruf als auch in der Familie verwirklichen. Kann man sich als Ärztin eine vorübergehende Auszeit oder ein Kleinstpensum im Beruf erlauben, ohne dabei den Anschluss zu verpassen?
Das kann Frau auf jeden Fall. Es gibt zunehmend mehr Möglichkeiten zur Teilzeitbeschäftigung. Da ich immer öfter auch von Männern höre, die keine 100%-Anstellung möchten, bin ich zuversichtlich, dass die Zeit in dieser Hinsicht für die Frauen und Familien arbeitet. Die Väter der Gegenwart legen immer mehr Wert darauf, ihre eigenen Kinder und nicht erst ihre Grosskinder aufwachsen zu sehen.
Falls eine Teilzeitbeschäftigung im Spital nicht möglich ist, bietet die Praxistätigkeit eine attraktive und gute Alternative.

Wie denken Sie über alternative Heilmethoden z.B. Homöopathie?
Zur konklusiven Beurteilung von alternativen Heilmethoden fehlt mir ein fundierter Hintergrund, da ich keine entsprechende Ausbildung besitze. Mich beeindruckt der immer sehr individuelle und zeitintensive Zugang, der bei diesen Methoden gewählt wird. Faszinierend ist für mich auch der Ansatz, die Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche zu verstehen. Diese sind meines Erachtens ganz wichtig und kommen in der Schulmedizin im Allgemeinen viel zu kurz. Eine bessere, durch gegenseitigen Respekt gekennzeichnete Zusammenarbeit von Schul- und Alternativmedizinern wäre äusserst wünschenswert und würde auch die Möglichkeit bieten, den Scharlatanen das Handwerk zu legen.

Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute im Beruf. Nelly Bossard-Schmid

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Veronika Schneidler-Marty

Ausbildung:
Kindergärtnerinnenseminar
Katechetinnenkurs für Unterstufe
Katholischer Glaubenskurs

Berufliche Stationen:
Kindergärtnerin in Bremgarten AG, Steinhausen ZG, Schindellegi SZ
Katechetin in Solothurn

Du hast im Theri das Kindergärtnerinnen-Patent erworben. Heute arbeitest du als Katechetin. Welche Begebenheit hat die Weichen in diese Richtung gestellt? Hatte die Ausbildung im Theresianum Einfluss auf diesen Entscheid?
Meine Kindergärtnerinnenausbildung im Theri liegt schon mehr als drei Jahrzehnte zurück. Damals absolvierte ich auch einen Katechetikkurs für Unterstufenkinder.
Allerdings war ich zu jener Zeit weit entfernt davon, Katechese zu erteilen. Meine ganze Freude und Energie setzte ich für die Aufgabe im Kindergarten ein. In meiner Berufsphase und später als Mutter und Familienfrau war mir die ganzheitliche Förderung der Persönlichkeit des Kindes ein grosses Anliegen und auch stetige Herausforderung. Die Erfahrungen, welche ich mit Kindern und mit unseren Söhnen machen durfte, zeigten mir immer wieder, wie schwierig es ist, Jugendliche in unserer leistungsorientierten Gesellschaft ganzheitlich zu fördern. Viele Lehrkräfte und Eltern sind beseelt vom Wunsch, den Kindern all das mitzugeben, was sie für das spätere Leben brauchen: eine möglichst gute Schulbildung, gesunde Lebensweise, charakterliche Formung. Aber ist das alles, was Kinder für ein glückliches Leben brauchen? Aus eigener Lebenserfahrung weiss ich, das alleine genügt nicht.
Ich bin mit dem Grundgefühl aufgewachsen, dass ich im tiefsten meines Wesens nicht alleine bin. Etwas hält und trägt mich in allen Situationen des Lebens. Diese grundlegende Erfahrung hat mich geprägt und in mir den Wunsch aufkommen lassen, Kinder auf ihrem Glaubensweg zu unterstützen und zu begleiten. Nach meiner Phase als Familienfrau hatte ich wieder mehr persönlichen Freiraum. Das war für mich der Zeitpunkt, eine katechetische Ausbildung zu beginnen.

Ist dir ein Erlebnis aus der Therizeit besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben?
Bei dieser Frage tauchen in mir gleich mehrere Bilder auf. Alle haben den gleichen Grundtenor: Gemeinschaft. Als interne Schülerin erlebte ich das Tag und Nacht Zusammensein mit anderen jungen Frauen besonders intensiv. Wir konnten uns täglich im Umgang mit den anderen üben. Unsere soziale Kompetenz wurde auf diese Weise im hohen Masse gefördert.
Eindrücklich ist für mich eine wunderbare Freundschaft aus der Therizeit, die bis zum heutigen Tag lebendig geblieben ist.

Wofür bist du dem Theri besonders dankbar?
Rückblickend kann ich heute wirklich sagen: Die Therizeit hat mein Leben beein-flusst. Stark beeindruckt haben mich meine Lehrerinnen. Sie unterrichteten mit Leib und Seele. Ihr Einsatz war ausserordentlich. Ihre Arbeitshaltung empfand ich als einmalig und bewundernswert. Die Lehrerinnen waren so schöpferisch und kreativ im Unterrichten. Sie förderten uns Schülerinnen ganz subtil in dieser Richtung. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Wir leben in einer Zeit, wo viele Menschen der Kirche den Rücken zukehren oder gar austreten. Bestimmt ist es schwierig, den Kindern religiöse Themen zu vermitteln, wenn die familiäre Unterstützung fehlt. Wie gehst du damit um?
Die Zugehörigkeit zu einer Kirche ist in der Tat heutzutage nicht mehr sebstverständlich. Ich nehme auch wahr, dass sich viele Eltern in der religiösen Erziehung unsicher fühlen. Sie setzen in unserer schnelllebigen Zeit und in einer nach Leistung- und Er-folg ausgerichteten Gesellschaft bei der Erziehung ihrer Kinder andere Schwerpunkte.
Trotzdem wollen immer mehr Eltern ihrem Kind einen Einblick in die Religion ermöglichen und schicken es deshalb in den Unterricht. Solche Eltern handeln aus einer erzieherischen, nicht aber aus einer eindeutig religiösen Haltung heraus. Das kann ich vor allem bei Eltern von Erstkommunionkindern beobachten. Die Erstkommunionvorbereitung geschieht ausserschulisch. Dabei sind Eltern ebenfalls involviert, zum Beispiel bei Begegnungsnachmittagen und Wortgottesdienstfeiern mit Katechese.
Bei diesen Anlässen werden Glaubensinhalte in einer einfachen, anschaulichen Sprache dargestellt. So können die Eltern mit ihrem Kind hoffnungsvolle, ermutigende Momente erleben. Durch solche Erlebnisse ist es durchaus möglich, dass Eltern sich über ihr Kind wieder vermehrt dem Glauben öffnen.
Ich merke immer öfters, dass Kinder im Religionsunterricht zum ersten Mal von Gott und vom Glauben vernehmen. Unterstufenkinder sind aber im grossen Ganzen sehr offen und aufnahmefähig für religiöse Themen. Wichtig finde ich, dass die Kinder im Religionsunterricht immer wieder in die Stille und damit zu sich selbst geführt werden. Sich spüren, sich selbst erfahren, sich als Teil der Schöpfung erleben, Fähigkeiten und Kräfte entdecken, neu Kraft schöpfen und daran wachsen, das sind Themen, die heute im Religionsunterricht immer mehr an Bedeutung gewinnen. In diesem Zusammenhang ist die familiäre Unterstützung nicht unbedingt nötig.
Wenn aber Eltern mit ihren Kindern zum Familiengottesdienst eingeladen werden, sieht es anders aus. Begleitung und Unterstützung sind dann sehr wichtig für das Kind. Doch da setzen viele Eltern schnell andere Prioritäten. Das zeigt, dass einem grossen Teil der heutigen Eltern der Zugang zu diesen Feiern fehlt. Sie fühlen sich fremd und nicht beheimatet. Beheimatung in der Liturgie aber braucht Zeit und ein persönliches Sich-Hineingeben.

In der St. Ursen-Kathedrale hast du mit den Kindern verschiedene religiöse Feste gefeiert. Besonders eindrücklich sind jeweils Familiengottesdienste an Weihnachten und die Feier der 1. Heiligen Kommunion. Woher nimmst Du die Kraft und die Ideen, um immer wieder Neues zu kreieren?
Die Familiengottesdienste an Weihnachten sind überdurchschnittlich gut besucht. An den Weihnachtsspielen beteiligen sich immer viele Kinder. Bis ein Weihnachtsspiel steht, braucht es viel Vorarbeit. Die erste Frage lautet: Was spielen wir? Die Ideen hole ich mir in Buchhandlungen. Auf dem Büchermarkt erscheinen jährlich neue Weihnachtsbücher. Ich schmökere mit Begeisterung und Freude in diesen Neuerscheinungen und bin richtig beseelt vom Gedanken, die Weihnachtsbotschaft möglichst lebensnah und stimmungsvoll in ein „Krippenspiel“ zu verpacken.
Auch die Ideen für die Gestaltung der Erstkommuniongottesdienste finde ich zum Teil in Büchern. Allerdings trage ich diese Anregungen lange mit mir herum. So verändern und wachsen sie, bis ich schlussendlich von ihrer Aussagekraft überzeugt bin. Auch die grossen Bilder zum jeweiligen Thema der Erstkommunion entstehen auf diese Weise.
Was mir im speziellen viel Kraft und Inspiration schenkt, sind meine Glaubensüberzeugung und die zeitweilige Erfahrung, dass ich von Gottesliebe und Licht umgeben bin.

Als praktische Diplomarbeit hast du ein eindrückliches Bilderbuch gemalt mit dem Titel „Der gute Hirt und seine Schafe“. War dein Weg wohl damals schon vorprogrammiert?
Die Religionsstunden von Schwester Ehrengard Hensler haben mein Interesse an biblischen Geschichten besonders geweckt. Sie als Fachfrau für Psychologie verstand es wunderbar, uns die reiche Bildsprache der Bibel näherzubringen. Schwester Ehrengard machte uns die biblischen Gleichnisse verständlich. Sie verband diese Geschichten auch mit unserer Lebenssituation. Das hat mich sehr fasziniert. So war es für mich rasch klar, mit welchem Thema ich mich bei der praktischen Diplomarbeit auseinandersetzen wollte.
Das Thema Religion und der Glaube haben mich seit der Therizeit nicht mehr losgelassen. So gesehen wurden die Weichen für meine heutige Aufgabe tatsächlich schon damals gestellt. Seither ist mein Glaube einem ständigen Prozess unterworfen. Diese Entwicklung hat sich durch die katechetische Tätigkeit noch intensiviert.

Für das Interview danke ich herzlich und wünsche Dir weiterhin Erfüllung in Deinem vielseitigen und anspruchsvollen Beruf.
Nelly Bossard-Schmid

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Eveline Hasler

Wohnort: Ronco s. Ascona
Ausbildung: Studien in Fribourg u. Paris
Psychologie und Geschichte
Berufliche Stationen:
Lehrerin für die Unterrichtsfächer
Deutsch und Geschichte, 7. –10. Schuljahr.
Journalistische und schriftstellerischeTätigkeit:
Kolumnen, historische Romane, Gedichte,
Kinderbücher, Drehbuch-Mitarbeit;
1990 Guest-Lecturer City University New York

Die Ingenbohler-Zeit liegt für Sie Jahrzehnte zurück. Welches Theri-Erlebnis hat bei Ihnen den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen?
Die Deutsch-Stunden bei Schwester Irmgard Probst. Sie war ein Wunder an Gelehrsamkeit und Energie. Ihre Strenge war gefürchtet, doch spürte man dahinter ihr Engagement für die Sprache. Sie brachte es sogar zustande, mir als kleiner Chaotin Grammatik und die Kommaregeln beizubringen.

Im 19. Jahrhundert kämpfte Emily Kempin-Spyri, die erste Juristin Europas, um gleiche Bildungs- und Berufschancen für Frauen und Männer. Sie beschreiben ihr Leben im Roman “Die Wachsflügelfrau“. Was für die Männer selbstverständlich war, mussten sich die Frauen also hart erkämpfen, oft ohne Erfolg. Wie sehen Sie das heute?
Vieles scheint heute für Frauen selbstverständlich geworden. Auch ich musste damals auf keine Barrikaden mehr steigen. Vergessen wir aber nie, dass es Frauen gab, die uns diese Positionen hart erkämpft haben! Emily Kempin ist dafür ein eindrückliches Beispiel, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, ist auch heute noch eine Herausforderung. Heute fehlen auf den Chefetagen immer noch Frauen, auch an den Universitäten gibt es kaum Dozentinnen. Gleiche Arbeit, gleicher Lohn - was schon Henry Dunant 1890 gefordert hat, ist wohl an manchen Orten in den unteren Kadern immer noch keine Realität.

Sie haben Geschichte und Psychologie studiert und einige Zeit als Lehrerin gewirkt. Wann ist in Ihnen der Wunsch zu schreiben wach geworden?
Der Wunsch war schon vor dem Studium da. Als Kind träumte ich davon, Geschichten-Erzählerin zu werden.

Im Theri ist man mächtig stolz auf Sie und Ihre literarischen Werke. Schliesslich haben Sie das Rüstzeug für das Studium in Ingenbohl erworben.
Nicht zu unterschätzen ist, dass wir im Theri nicht nur Fachwissen bekamen, sondern auch selbständig denken lernten. Zwar gab es früher im Theri-Alltag auch sinnlose disziplinarische Massnahmen. Gegen die hat man sich als Schülerin gesträubt und hat so auch einen gesunden Widerstand eingeübt.

Was empfinden Sie selber, wenn Sie auf Ihre intensive schriftstellerische Tätigkeit zurückschauen?
Ich sehe mich mit jeder neuen literarischen Arbeit wieder am Anfang.

Kürzlich habe ich gelesen, dass in den Kornhausbibliotheken Bern eine Kindermatinee stattfindet: „Eveline Hasler und die Hexe Lakritze“. Das erinnert mich daran, dass Sie auch Kinderbücher schreiben. Ihre Vielseitigkeit ist bewundernswert! Welche Voraussetzungen braucht es, um ein Kinderbuch zu schreiben?
Ähnlich wie ein Gedicht geht ein Kinderbuch-Text an die Wurzeln der Sprache. Einfachheit in der Sprache und im Fluss der Gedanken herzustellen, braucht Zeit, Spracharbeit und innere Heiterkeit.

Woher schöpfen Sie Kraft und Energie für Ihr unermüdliches Wirken? Hatten Sie nie den Wunsch, einfach mal Pause zu machen?
Ich kann wohl so viel arbeiten, weil ich oft Pause mache. Schon ein kleiner Spaziergang bringt weiter als Stunden des Fleisses am Schreibtisch. Energie zu spüren ist aber auch ein Geschenk, für diese Gabe bin ich dankbar.

Ihr neuestes Werk „Die Nacht im Zauberwald“, welches Sie und die Illustratorin Käthi Bhend geschaffen haben, geniesst eine hervorragende Kritik. Es soll ein Highlight unter den Kunstbilderbüchern sein. Ich bin neugierig darauf.

Für das Interview danke ich herzlich und wünsche Ihnen weiterhin viel Elan, damit wir immer wieder mit neuen literarischen Köstlichkeiten aus Ihrer Feder beglückt werden.
Nelly Bossard-Schmid

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Theresianum Ingenbohl, Klosterstrasse 14, 6440 Brunnen
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